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„Zuverlässiger“ Bluttest aus Heidelberg – jede zweite gesunde Frau würde falschen Krebsbefund erhalten

Steoskop mit Arzt_klein.jpgDie Unstatistik des Monats Mai ist die Falsch-Alarm-Rate des Heidelberger Bluttests für Brustkrebs. Dieser Test wurde in einer Pressemitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg als „Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik“ gepriesen und auf der Titelseite der BILD-Zeitung als „Weltsensation aus Deutschland“ gefeiert. In beiden Fällen wurde die Sensation mit einer Trefferrate von 75 Prozent begründet und davon gesprochen, dass der Test marktfähig sei. Wir hatten in der Unstatistik vom Februar 2019 bereits erklärt, dass die Treff
errate allein nichts über die Zuverlässigkeit eines Tests aussagt. Man muss immer zugleich die Falsch-Alarm-Rate kennen, das heißt, wie häufig der Test bei gesunden Frauen fälschlicherweise einen Verdacht auf Krebs feststellt. Diese wurde aber nicht kommuniziert.

Warum muss man beides wissen? Ein einfaches Beispiel verdeutlicht das. Wenn man schlicht bei jeder Frau einen Tumor diagnostiziert, dann wird jeder Tumor gefunden, aber auch jede gesunde Frau wird falsch diagnostiziert – also erzielt man eine Falsch-Alarm-Rate von 100 Prozent. Wenn man zwei Münzen wirft und immer Krebs diagnostiziert, sofern man keine Doppel-Zahl hat, dann hat man – wie beim Bluttest – eine Trefferrate von 75 Prozent, aber auch eine Falsch-Alarm-Rate von 75 Prozent. Also ist eine hohe Trefferrate nur beeindruckend, wenn die Falsch-Alarm-Rate niedrig ist. Das Mammographie-Screening hat beispielsweise eine Trefferrate von etwa 80 Prozent bei einer Falsch-Alarm-Rate von 5 bis 10 Prozent, je nach Alter der Frau.

Weiterlesen: Unstatistik 7. Juni 2019

Mehr Unfälle durch vereinfachten Motorradführerschein?

Führerschein.jpgDie Unstatistik des Monats Juni ist die Interpretation der österreichischen Unfallstatistik durch die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Die BASt stellt fest, dass sich die Verkehrssicherheit in Österreich erkennbar verschlechtert habe, seit im Jahr 1997 eine Regelung zum vereinfachten Erwerb der Fahrerlaubnis für Leichtkrafträder eingeführt wurde. Österreich hatte den „Code 111“, der eine Person zum Lenken eines Motorrads der Klasse A1 berechtigt und ohne zusätzliche Fahrprüfung im B-Führerschein eingetragen wird, 1997 eingeführt.

Diese Interpretation wird von zahlreichen Medien in Deutschland zitiert, darunter „Spiegel online“ und „Der Tagesspiegel“. Anlass sind die Pläne von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, eine vergleichbare Regelung in Deutschland einzuführen. Nach sechs Übungsstunden und 90 Minuten Theorie sollen Autofahrer, die seit mindestens fünf Jahren einen Führerschein der Klasse B besitzen, zukünftig die Fahrerlaubnis für Krafträder der Klasse A1 mit einem Hubraum von bis zu 125 Kubikzentimeter und einer Motorleistung von nicht mehr als 11 Kilowatt, also 15 PS, ohne zusätzliche Fahrprüfung erhalten dürfen. Wer seinen Führerschein der Klasse B vor dem 1. April 1980 erworben hat, der darf diese Motorräder bereits fahren.

Weiterlesen: Unstatistik 28. Juni 2019